Die AG geht vor dem Hintergrund des digitalen Strukturwandels der Frage nach, auf welche Weise sich Praktiken und Verfahrensweisen der Zeugenschaft verändern: Ob Online-Zeugenvideos oder digitale Bildarchive, forensische Recherchen oder künstlerische Zeugnisse, Theater-Tribunale oder Zeitzeug* innen-Hologramme – diese jüngeren Phänomene formieren sich im Zuge gewandelter technisch-medialer Voraussetzungen und erfordern neu ausgerichtete, interdisziplinäre Forschungsperspektiven. Zugleich ist eine aktuelle Krise der Zeugenschaft angesichts KI-generierter Bild- und Tonzeugnisse nicht zu übersehen. Welche neuen Techniken des Bezeugens sowie der Überprüfung und Beglaubigung von Zeugnissen bilden sich in dieser Krise heraus?

Der spezifische Einsatz der AG besteht darin, anstelle einer personell fokussierten und anthropozentrischen Vorstellung von Zeugenschaft Techniken des Bezeugens als mediale und kulturelle Praxis in den Blick zu nehmen.

In den Fokus rücken damit Akte des Bezeugens als technische Verfahren, Praktiken und Prozeduren. Zeugenschaft wird somit relational verstanden: Personale Akte, aber auch Zeugnisse non-humaner Entitäten werden in ihrer konstitutiven Verbundenheit mit technischen Apparaturen, Anordnungen, Infrastrukturen, Umwelten sowie in ihren kulturellen Kontexten betrachtet.

Die AG ist aus dem GNK-Minigraduiertenkolleg „Zeugenschaft: Episteme einer medialen und kulturellen Praxis“ hervorgegangen (2018-2022; https://kultur.ftmk.uni-mainz.de/gnk-zeugenschaft/). Aktuell arbeiten ihre Mitglieder unter anderem an der Beantragung eines DFG-Graduiertenkollegs.